17.2. - 30.3.19: Jonathan Meese

Kaum ein Künstler der Gegenwart steht derart präsent in der Öffentlichkeit wie Jonathan Meese (geb. 1970) – und das seit bald zwanzig Jahren.

Seine vielfältigen künstlerischen Auseinandersetzungen – von Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie über Film, Oper, Installation und Performance bis hin zu Gedichten und Texten – zeugen von einem äußerst umfangreichen künstlerischen Schaffen. Jonathan Meese hinterfragt das derzeitige gesellschaftliche System und möchte es durch eine »Diktatur der Kunst« ersetzen, um die Menschen von ideologisierenden Maßnahmen zu befreien, die sich derzeit in den vielfältigen Formen des Populismus widerspiegeln. Diese Tendenz der politischen Entwicklungen unserer Tage hat Jonathan Meese bereits seit Mitte der 1990er-Jahre prophezeit, und angemahnt, man müsse mit den Mitteln der Kunst gegensteuern.

Mit „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)“ erwartet die Stadt das bislang umfangreichste Ausstellungsprojekt, dass der Künstler bisher konzipiert hat: ein »Gesamtkunstwerk Lübeck«, das in einer gemeinschaftlichen Realisierung der Institutionen Kunsthalle St. Annen, Overbeck-Gesellschaft, Günter Grass-Haus, St. Petri zu Lübeck und der Kulturwerft Gollan umgesetzt wird – eine Kooperation, die in dieser Form in der Hansestadt bereits eine gewisse Tradition besitzt.

Bei dem Ausstellungsprojekt handelt es sich gleichfalls um die erste umfangreiche Präsentation von Jonathan Meese in Schleswig-Holstein, der seine Kindheit und Jugend in Ahrensburg verbracht hat. Daher scheint es auf den ersten Blick nicht zu verwundern, dass er dem Projekt den Titel "Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)" gegeben hat. Doch der Gedanke, dass es sich bei dem ausgewählten Themenschwerpunkt um einen lediglich individuell bedingten, rein regionalen Bezug handelt, greift zu kurz. Vielmehr bezieht sich Jonathan Meese ganz allgemein auf den Begriff »Heimat«, und wie er in seiner schwankenden Bewertung – einmal in positiver, dann immer wieder auch negativer Konnotation – im Hinblick auf Migration und einem neu aufkeimenden Nationalismus in jüngster Zeit beurteilt wird. Er verdeutlicht, dass »Heimat« eine große Bedeutungsvielfalt in sich einschließt, mithin von Unschärfe und Mehrdeutigkeit geprägt ist. Diese Tatsache schließt jedoch nicht aus, dass sich angesichts der Deutungsgeschichte von Heimat auch andere Vokabeln als für die Menschheitsgeschichte prägende Dimensionen ergeben: Raum, Zeit und Identität.

Dem Begriff »Heimat« ist auch ein religiöser Aspekt inhärent, der in der Petri-Kirche angesprochen wird: die philosophische Dimension der Bedeutung einer sogenannten Heim-Kehr zu Gott für den Menschen als Heimweg. Die hier anfallenden Paradoxien werden zum einen in ihrer Absurdität, zum anderen in ihrer nachvollziehbaren Sinnsuche des Lebens durchleuchtet.

Am 17. Februar öffnet die Ausstellung in St. Petri, 15 Uhr, und im Günter-Grass-Haus, 17 Uhr. Die Ausstellung in St. Petri ist bis zum 30. März täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.

Foto: 2015 (C) Photography Jan Bauer. Net | Courtesy Jonathan Meese.com 

 

 

 

Der Lübeck-Blick vom Petri Aussichtsturm:
Ein Muss in jedem Ausflugsprogramm.

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