Tutu Wagner und Reinhard Stangl zeigen BIlder und Installationen

Ein Dialog in der Kirche scheint selbstverständlich. Der Dialog zwischen einer Modedesignerin und einem Maler auch?  In unserer Ausstellung treffen zwei Großstadtphänomene aufeinander. Die Berliner Modedesignerin Tutu Wagner entdeckte in der östlichen Provinz der Uckermark DDR-altbackene Kittelschürzen - grellbunt bedruckter Dederonstoff, der östliche Ersatz für DuPonts Nylon.

Dieses Objekt, Sinnbild für Spießigkeit und Provinzialität, erfährt unter den Händen der Designerin eine ungeheuerliche Verwandlung. Der gemusterte Dederonstoff wird mit stark farbigem Fleecestoffen zu Collegejacken und Kleidern verarbeitet, ja collagiert – auch das ist eine Erfindung der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, die Collage. Diesmal war es Pablo Picasso, der Zeitungsfetzen und ein Stück Stuhlsitzgeflecht in das Bild hinein klebte (coller – frz. kleben). Die biederen Kittelschürzen mutierten zu jugendlicher Großstadt-Mode wie einige Jahrzehnte zuvor die Turnschuhe zum Alltagsschuh wurden. Gleichzeitig stellen diese Objekte im Zusammenhang ein Stück Feldforschung der untergegangene DDR dar: Bewahren durch Aufheben auf neuer Ebene, was zum Untergang verurteilt war. Und Reinhard Stangls Bild „Der Fluch des Renegaten“ versammelt auf über 13 Metern Länge ein Weltbild, sein eigenes, „den Stand der Dinge festzuhalten“. Die malerische Essenz eines Künstlerlebens sozusagen. Auch dies ist ein Großstadtbild, auch dieses Bild ist collagiert, wenn auch alles gemalt ist. Vom Chaos über das Dies- und Jenseits, dem Ruhepunkt und dem Maler in der Welt bis zur Idylle, paradiesisch-orgiastisch, sind auf diesem Bild versammelt. So wie es der Schriftsteller Jürgen K. Hultenreich im Musikalischen vergleichend benannt hat: „wie in den frühen, fünfsätzigen Haydn-Quartetten: Presto, Menuett, Adagio, Menuett, Allegro molto“. Und mit den beiden zur Kirche gehörenden Kunstwerken, dem Kruzifix von Arnulf Rainer und dem doppelten Neon-„Jetzt“ von Hanna Jäger ergibt sich zusätzlich ein spannungsreicher Dialog. Jetzt in der Kirche: „Kittelschürze und Fluch“. (Valentin Rothmaler)

Vernissage ist am Sonntag, 14. Oktober 2012, um 17 Uhr. Gezeigt wird die Ausstellung bis 11. November 2012, Di - So 11-16 Uhr, der Eintritt ist frei.

(Bild: Ausschnitt aus "Fluch des Renegaten" von Reinhard Stangl)

 

 

 

 

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