Neue Petrivisionen-Reihe „Störungen“

Störungen sind Abweichungen von der Norm. Wenn jemand radikal anders denkt, handelt und empfindet, gilt er als gestört. Störungen können durchaus Leiden sein, mit denen man sich selbst und andere gefährdet.

Störungen sind aber oft genug auch notwendige Impulse, um Änderungen zu bewirken. Die Propheten der Hebräischen Bibel waren Störer aus Berufung. Wenn ein modernes Bildwerk unsere Sehgewohnheiten nicht wenigstens ein bisschen stört, dann ist es wahrscheinlich Dekoration und nicht Kunst. „Störungen haben Vorrang“ heißt eine Kommunikationsregel in der Themenzentrierten Interaktion. Am Sonnabend, dem 4. März, um 23 Uhr, startet die Kultur- und Universitätskirche St. Petri zu Lübeck eine neue Petrivisionen-Reihe. „Störungen“ ist der Titel  dieser Serie, die das St. Petri Kuratorium gemeinsam mit dem Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) der Universität zu Lübeck präsentiert. Fünfmal zu nächtlicher Stunde wenden sich die Petrivisionen in vielstimmigen Performances den gewollten und ungewollten Störungen in Kunst und Kultur, in Politik, Gesellschaft, Religion und im Reich der Seele zu. Der erste Abend trägt die Überschrift „Kunst“ und setzt sich unter anderem mit der Ausstellung „White Rabbit (Martin Luther)“ von Thomas Zipp auseinander, die zurzeit in St. Petri gezeigt wird. Dr. Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft zu Lübeck, wird Zipps Installationen, die sich psychologiegeschichtlicher und religiöser Motive bedienen, und das Störpotential zeitgenössischer Kunst kommentieren. Der Neuropsychiater Prof. Dr. Alexander Münchau referiert über Spannungen und Störungen zwischen Persönlichkeit und Werk am Beispiel des Schriftstellers Johann Gottfried Herder. Die Störung als Kunstform religiöser Rede und prophetischen Handelns ist Thema des theologischen Beitrags von Pastor Dr. Bernd Schwarze. Es musizieren der Lübecker Kammerchor, Leitung: Andreas Krohn, sowie Mitglieder des Lübecker RADAR Ensembles. Sigrid Dettlof vom Theater Combinale und Knut Winkmann vom Theater Lübeck führen Regie. Das St. Petri Café ist ab 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden sind herzlich willkommen.

 

Die Petrivisions-Reihe "Störungen" ist eine Kooperation mit dem Zentrum für Integrative Psychiatrie (UKSH/Uni Lübeck).

Der Lübeck-Blick vom Petri Aussichtsturm:
Ein Muss in jedem Ausflugsprogramm.