8. Februar – 22. März 2020

Peyman Rahimis (*1977 in Teheran, lebt in Frankfurt/Main) raumgreifende Installationen bewegen sich in einer Sphäre des Dazwischen. Erkenntnis und Wahrnehmung, Leben und Tod,

Sagbares und Unaussprechliches bedingen sich gegenseitig, nur um sich einander wieder aufzuheben. Er erzeugt dissonante, zweideutige und teils unbehagliche atmosphärische Situationen mit direkten Bezügen auf den jeweiligen Ausstellungsort. Kulturell erlernte Gefühle für Dimensionen und Raum, vertraute Sehgewohnheiten und alltägliche Sinneswahrnehmungen werden nachhaltig gebrochen, bekannte Zugänge verstellt und so auf physischer ebenso wie auf psychischer Ebene mit Fragen nach Kontext und Selbstverortung konfrontiert.

Für seine Doppelausstellung ZELLE in der Overbeck-Gesellschaft und in St. Petri zu Lübeck stellt Rahimi installative Setzungen in die Ausstellungsarchitekturen ein und verleiht ihren, ansonsten zumeist hintergründigen, Konstitutionen eine besondere Präsenz. In dem über dreißig Meter hohen, mittelalterlichen Kirchenschiff bilden meterlange Vorhänge runde und geschwungene Räume im Raum. In einem quasi alchemistischen Verfahren wurden nachtblaue Stoffbahnen jeweils für verschiedene Zeiträume unter rostende Stahlplatten gelegt. Auf diese Weise vom Zufall produzierte Oxidationsmuster erscheinen wie feinste Stickereien oder Verzierungen mit Blattgold im Stil aufwendiger Gobelins. Im Zusammenspiel mit an den Vorhängen befestigten Malereien oder von ihnen umhüllten Objekten und Skulpturen entsteht ein Narrativ über das Räumliche, das zwischen Präsentieren und Verbergen, zwischen Kargheit
und Opulenz, zwischen geöffnet und geschlossen changiert und dabei die Transformation eines jeden Zustandes bis in den Tod offenbart.

Die Geräusche des Ausstellungsaufbaus in der Kirche bilden die Grundlage für eine Soundarbeit in der Installation im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft. Als eine akustische Klammer verbindet sie die beiden Teilausstellungen in Lübeck. Während die Kirche von runden, fließenden Formen umspielt wird und den Kontext des religiösen Raums im Moment des Erhabenen wechselseitig betont und wieder negiert, orientiert sich Rahimi im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft an die Architektursprache des Neuen Bauens, die das Gebäude dominiert. Eine Art Labyrinth aus Maschendraht und schweren Eisenkonstruktionen greift die sachliche Architektur auf, zitiert und wiederholt sie, bis sie immer enger und kaum noch zu betreten ist. Zwischen flackernden Neonleuchten und hinter dem engmaschigen Zaun bevölkern auch hier Gemälde, Objekte und Skulpturen die Ausstellung.

Peyman Rahimis Ausstellungen sind momentane Kommunikationsräume zwischen dem Betrachter und dem Ausgestellten. Die erzeugte Atmosphäre fordert zu einer Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Fremden auf. Das Sehen wird körperlich, weil sich Betrachter und Werk auf verschiedenen Ebenen von Wirklichkeit begegnen. Insofern ist es auch eine Frage der Perspektive, ob es sich in Lübeck um eine Ausstellung in zwei Räumen handelt oder um zwei Ausstellungen an einem Ort.

Rede zur Ausstellungseröffnung von Pastor Dr. Bernd Schwarze

Eine Kooperation der Overbeck-Gesellschaft und des St. Petri-Kuratoriums.
Overbeck-Gesellschaft • Kunstverein Lübeck 8. Februar – 26. April 2020, St. Petri zu Lübeck 8. Februar - 22. März 2020 
Ausstellungseröffnungen: Samstag, 8. Februar 2020, 15.30 in St. Petri zu Lübeck, anschließend um 17.00 im Overbeck-Pavillon (Zugang durch die Bürgergärten)

 

 

 

 

 

 

Der Lübeck-Blick vom Petri Aussichtsturm:
Ein Muss in jedem Ausflugsprogramm.

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