Veranstaltungen

10

Aug
10.08.2019 | 11:00 "Die untere Welt"

Nschotschi Haslinger (*1982 in Eitorf) entwickelt in sämtlichen Medien von Installation, Performance über Video, Malerei, Zeichnung oder Skulptur Szenerien, die zunächst seltsam und entrückt erscheinen und dabei doch fortwährend auf Aspekte unserer Gegenwart und Vergangenheit verweisen. In dunkeln sumpfigen Wäldern, zwischen vermoosten Bäumen und  abgestorbenen Ästen finden sich dünngliedrige Fabelwesen mit spitzen Ohren, Nasen und Schuhen bei alltäglichen, brutalen, sexuell aufgeladenen Tätigkeiten. 

Details wie einzelne Kleidungsstücke, Posen oder Bildausschnitte fungieren dabei immer wieder als Transmitter und erzeugen eine Ebene auf der ikonografische Symbole, Religion und Schamanismus mit einer gegenwärtigen Bildästhetik in sozialen Netzwerken auf Gaming Plattformen oder Spielzeugfiguren kulminieren. Die Zeichnung Trembling Garden 3 (2019) zeigt im Vordergrund des Bildes etwa eine Figur mit weiblichen Merkmalen, die auf ihren Armen, Schultern und Händen von einer kleinen Schar sie liebkosender und bedrängender Kröten umgeben ist. Haare und Gesicht der Figur gleichen einem Troll und reihen sich – wie als Symbol auch die Kröte – in mystische Vorstellungen, während ihr Outfit, bestehend aus einem geöffneten Mantel und einem einfachen Slip, auf Motive und Posen der Werbe- und Modewelt zu verweisen scheint. 

Insbesondere auch Haslingers Skulpturen aus Keramik in Form von Schuhen, Zahnbürsten oder Spielzeugfiguren changieren zwischen einem Warencharakter und Objekten mit einem scheinbaren Eigenleben und Ausdrucksfähigkeit. Eine Serie kleiner Fabelwesen aus Keramik erinnert ästhetisch zunächst an die Franchiseprodukte der „My Little Pony“ Animationsserie. Ihr Fell ist jedoch nicht rosa oder lila, sondern braun und schlammig, ihre Mäuler sind nicht vollmundig, sondern weit geöffnet und von spitzen Zähnen gesäumt und auch ihre Augen glitzern nicht, sondern sind gelb und nach hinten verdreht. Als hämische Geister und Dämonen unterwandern und entblößen Haslingers Arbeiten so ein ums andere Mal eine kapitalistische Gegenwart, die selbst unfähig eine eigene Zukunft zu entwerfen, durchzogen ist von Vergangenem, Verschwörungstheorien und surrealen Realitätsvorstellungen.
 

Dr. Oliver Zybok, Kunst-Kurator an St. Petri zu Lübeck und Direktor der Overbeck-Gesellschaft - Kunstverein Lübeck
, Petrikirchhof 1, 23552 Lübeck
Suche
NACH VERANSTALTUNGEN
Zeitraum
von
 
bis
 

Der Lübeck-Blick vom Petri Aussichtsturm:
Ein Muss in jedem Ausflugsprogramm.

Diese Website verwendet Cookies.

Durch Klick auf Zustimmen geben Sie uns die Erlaubnis Cookies zu setzen.