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ECHO - Ausstellung: Michaela Melián

21.02.2026 – 29.03.2026

10:00

ECHO - Ausstellung: Michaela Melián

Die Ausstellung ECHO widmet sich dem Nachklang von Geschichte(n) in der Gegenwart. In ihrer künstlerischen Recherche folgt Michaela Melián den Spuren von Julia Mann (geb. da Silva Bruhns). Im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft und in der Kulturkirche St. Petri zu Lübeck entfaltet sie ein vielschichtiges Resonanzfeld aus Textilien, Plastiken, Projektionen und Sound.

In seriellen Anordnungen und Samplings treten visuelle und klangliche Muster hervor, die sich überlagern, verdichten und zugleich entziehen. Historisches Material bleibt fragmentarisch: Brüche, Lücken und Leerstellen werden nicht geschlossen, sondern bewusst hör- und sichtbar gehalten. Geschichte erscheint hier nicht als eindeutig rekonstruierbare Vergangenheit, sondern als Geflecht von Spuren, das erst in der Gegenwart Bedeutung annimmt – vielstimmig, perspektivisch und offen.

Im Zentrum der Ausstellung steht Julia Mann, deren Leben lange auf ihre Rolle als Mutter von Heinrich und Thomas Mann reduziert wurde. Ihre eigene Biografie – geprägt von kolonialen Machtverhältnissen in Brasilien, unfreiwilliger Migration nach Lübeck und bürgerlicher Disziplinierung – blieb weitgehend marginalisiert und exotisiert. Melián greift diese verdrängten Aspekte auf und eröffnet einen feministischen und postkolonialen Reflexionsraum, der deutsche Kulturgeschichte neu befragt.

Mit präziser künstlerischer Geste verdichtet Michaela Melián historische Motive, Materialitäten und Lebensformen, ohne sie narrativ auszuformulieren. Das Persönliche erscheint dabei stets als politisch. Geschichte bleibt unabgeschlossen – als Echo, das in der Gegenwart nachhallt und zur kritischen Auseinandersetzung einlädt.